VORWORT

In den vergangenen Jahren sind über eine Million Flüchtlinge vor allem aus Syrien, Afghanistan und Nordafrika nach Deutschland gekommen. Sie wurden und werden durch beispielslose Hilfsaktionen unterstützt, geleistet vor allem von ehrenamtlichen Helferkreisen, sowie materiell und finanziell durch staatliche Leistungen versorgt. Aber reicht das aus?

Neben den Problemen bei der Eingliederung in die Berufswelt und der Wohnungssuche wird jedoch ein weiteres drängendes Problem erst langsam der Allgemeinheit bewusst: Wie können sich die vielen Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Deutschland in relativ kurzer Zeit auf die hiesige, für sie neue Werteordnung einstellen? Was wissen die Flüchtlinge über Deutschland, dem Land, in dem sie wahrscheinlich leben werden? Wer informiert sie über seine Landschaften, Geschichte, Mentalitäten, Berufswelt u.a.? Denn wie es so schön in einer Werbebroschüre der Bundesregierung "Deutschland aktuell 2/16" zu Flucht und Asyl heißt: "Wer neu nach Deutschland kommt, ist mit unseren Werten häufig nicht vertraut. Deshalb müssen wir Neuankömmlingen zeigen, was es bedeutet, in Deutschland zu leben." Leider wird nicht weiter darauf eingegangen, wer mit "wir" gemeint ist, alle Bürger, ehrenamtliche Helfer, Schulen? Wie und wann wird den Flüchtlingen anschaulich gezeigt, was dies für ein Land ist, wie seine Ausbildungs- und Berufswelt ausschaut, was mit Toleranz, Meinungsfreiheit oder freie Partnerwahl gemeint ist und wie sie bei uns gelebt wird? Viele Helfer geben freiwilligen Sprachunterricht in deutsch, aber wer vermittelt unser Wertesystem, basierend auf dem Grundgesetz?

Von meiner beruflichen Tätigkeit als Hochschullehrer ist mir die Aufarbeitung von Informationen für Vorträge und Präsentationen geläufig. Daher kam mir die Idee, den Flüchtlingen mit Hilfe einer Serie von PowerPoint-Präsentationen Informationen über das Land Deutschland, seine Geschichte und Regeln anzubieten. Dies sollte ähnlich wie beim Sprachunterricht der Helfer als Vorbereitung und Ergänzung zu den Integrationskursen erfolgen. Nachfolgend beschreibe ich die Realisierung meines Vorhabens und die Erfahrungen, welche ich mit meiner Frau bei den Vorträgen vor Flüchtlingen sowie mit den Helfern und Lehrern gemacht habe. Zum Schluss ziehe ich ein Fazit, das vor allem die deutsche Haltung zu dieser notwendigen Aufklärung der in unser Land gekommenen Flüchtlinge kritisch betrachtet. Es entsteht fast der Eindruck eines von manchen gewollten Defizits, weil man der Meinung ist, dass man den Flüchtlingen gegenüber keine Ansprüche stellen darf.