Schule 4

Von einer Helferin, die Lehrerin war und von früher eine Kollegin an einem Berufsfortbildungszentrum in einer anderen Stadt kannte, wurden meine Präsentationen weiterempfohlen. Diese Koordinatorin organisierte den Schul- und Ausbildungsbetrieb sowie die Integrationskurse für Flüchtlingsklassen. Ihr schwebte am Anfang vor, dass ich meine Präsentation an einem Tag zweimal vorstellte: Morgens auf deutsch, englisch und arabisch für die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern, und dann nachmittags für die „Auftraggeber" der Zentrums. Letztere sind das Job Center, die ARGE, Seminarleiter u.a. Es war zunächst von etwa 40 Flüchtlingen die Rede, welche so gut deutsch können, dass der Vortrag nur auf deutsch erfolgen sollte. Ich machte dann klar, dass es nicht nur eine, sondern vier Präsentationen mit verschieden Themen gab. Es wurde dann vereinbart, dass ich einen Zusammenschnitt aus den vier Präsentationen von ca. 2 Stunden erstellen sollte. Der Grund war, dass die Stadt weiter weg lag und der Aufwand für mich auf einen Tag beschränkt werden sollte. Außerdem wurde kurz vorher die Präsentation für die Auftraggeber abgesagt.

Als meine Frau und ich am Zentrum ankamen, stellten wir erfreut fest, dass eigens ein Parkplatz direkt vor dem Gebäude für uns reserviert worden war. Ebenso war die Präsentation mit PC, Beamer und riesiger Leinwand perfekt vorbereitet, einschließlich der Getränke für uns. Während wir auf den Vortragsbeginn warteten, trauten wir unseren Augen nicht: es traf ein Reisebus nach dem anderen mit Flüchtlingen aus verschiedenen Unterrichtsorten des Zentrums ein, der Saal war schließlich so überfüllt, dass die über 100 Schüler ringsum auf den Tischen saßen und an den Wänden standen. Trotzdem ging es relativ ruhig und geordnet zu. Es wurden auch zwei Flüchtlinge gefunden, welche die Folientexte in arabisch und persisch übersetzen sollten.

Der Vortrag selbst war etwas mühsam, da die übersetzenden Flüchtlinge teilweise länger brauchten durch Zusätze, Nachfragen und Überlegen. Zwei oder drei Flüchtlinge stellten öfter sehr spezielle Fragen und Nachfragen, die mehr oder weniger nur für sie von Interesse waren, was bei der Menge der Zuhörer zu Langeweile führte. Andererseits mochte ich nicht die Fragesteller einfach abwürgen, es war ein gewisser Balanceakt.

Bemerkenswert waren eine Reihe sehr selbstbewusst auftretender Flüchtlinge. Am deutlichsten wurde dies mehr noch als bei anderen Vorträgen an der völligen Überschätzung des Anteils der Muslime an der deutschen Bevölkerung. Da wurde vehement behauptet, es seien mindestens 20 Prozent und mehr, während mein Hinweis auf die tatsächliche Anzahl von 4 bis 5 % nicht akzeptiert wurde. Insgesamt war die Stimmung jedoch verglichen mit einer anderen Veranstaltung mit 70 Flüchtlingen, die ebenfalls überfüllt war, nicht aggressiv.

So unbeschränkt wie angekündigt war meine Vortragszeit denn doch nicht; nach etwa anderthalb Stunden musste ein Teil der Schüler wieder zurückfahren, die Organisation war etwas chaotisch. Ich rundete die Präsentation dann mit einem kurzen Ausschnitt unserer Grundwerte ab. Selbst von meinem Zusammenschnitt habe ich nur die Hälfte zeigen können. Trotzdem war die Vorführung kein Misserfolg, zumindest die Koordinatorin lobte sie und lud uns anschließend zum Essen ein. Allerdings gab es bis heute keine Fortsetzung und auch eine Anfrage bei einem Berufsfortbildungszentrum der gleichen Organisation in einer anderen Stadt blieb ohne jede Resonanz.