Schule 2

Eine Fachoberschule führt Flüchtlinge, die eine Aufnahmeprüfung bestanden haben, in eigenen Klassen zum Abschluss der mittleren Reife. Sie werden in allen üblichen Fächern wie Deutsch, Mathematik, Sozialkunde u.a. unterrichtet. Sie hatten in ihrer Heimat teilweise bereits eine Schulbildung ähnlich dem Abitur oder ein Studium angefangen. Die beiden Klassen, denen die Präsentationen gezeigt wurden, umfassten etwa 15 Schüler und Schülerinnen aus Syrien, Afghanistan, Ukraine u.a. Beide Klassen wurden gut geführt, die Lehrerinnen sorgten für Ruhe, ließen mangelnde Entschuldigungen nicht durchgehen, förderten die Diskussion und reagierten auf manche in schon aggressivem Ton vorgetragene Forderung oder Bemerkung ruhig und bestimmt. Es war selbstverständlich, dass nach anfänglichem Protest Jungen und Mädchen gemeinsam zum Sportunterricht gingen.

Die nur auf deutsch gehaltenen Vorträge wurden einigermaßen gut verstanden, wenn man auch an Zwischenfragen merkte, dass es noch erhebliche Lücken im Verständnis gab. Die Flüchtlinge kamen fast alle pünktlich, legten aber auch Wert darauf, dass der Vortrag nur bis zum Schulstundeende ging. Während der Präsentation gab es einzelne Zwischenfragen, aber kaum störende Zwischenrufe. Nach dem ersten Vortrag fragten wir nach einer Möglichkeit, wo wir noch ein Mittagessen erhalten können. Deshalb schenkten uns zwei Frauen aus einer Klasse nach dem zweiten Vortrag eine Art Lunch-Paket: Salat, Glas Majonäse, Reibekuchen, Tost. Auf unseren Hinweis an die Lehrerin, dass die Flüchtlinge ja selbst das Essen bräuchten, lachte diese nur und meinte, die haben schon genug zu essen, da brauchen wir uns keine Gedanken machen. Als bei der anderen Lehrerin ein Schüler sich mit seinem Handy während des Vortrags beschäftigte, nahm die Lehrerin ihm dies trotz heftiger Proteste ab und sagte, er können es um 15 Uhr beim Direktor abholen. Weitere Diskussionsversuche wehrte sie entschieden mit dem Hinweis ab, dies gelte für alle Schüler, gleichgültig ob Flüchtlinge oder Deutsche.

Die Vorträge wurden sowohl von den Schülern als auch von den Lehrerinnen gut aufgenommen. Beim Thema "Schwarzarbeit" schmunzelten viele wissend. Ich machte zunächst die Notwendigkeit von Steuern und Sozialabgaben anschaulich deutlich, indem ich zeigte, was alles schlechter versorgt wird, wenn Gelder fehlen für Schulen, Altenheimen, Straßen, Krankenhäusern und eben auch für Flüchtlingsunterkünfte sowie für die Versorgung der Flüchtlinge. Dies alles und noch mehr muss von Steuergeldern finanziert werden. Dann wies ich eindringlich auf die Nachteile hin, die bei Schwarzarbeit drohen, wie sofortige Entlassung oder fehlender Versicherungsschutz bei Unfall, Krankheit oder Arbeitslosigkeit, und den drohenden Strafen, wenn man dabei erwischt wird. Außer dem Hinweis, dass im Wiederholungsfall eine Abschiebung droht, machten meine Ausführungen wie auch bei anderen Schulklassen den Flüchtlingen wenig Eindruck.