Helferkreis 3

Zu diesem Helferkreis schickte das Landratsamt eine Empfehlung, die am 17. November 2016 mit dem Hinweis bestätigt wurde, dass noch zwei weitere Helferkreise mit einbezogen werden können. Am 22.November kam von der Leiterin des Helferkreises die Aufforderung an mich, einen passenden Termin anzubieten. Ich bestätigte am gleichen Tag im E-Mail-Verkehr mein Angebot und fragte nach den Randbedingungen, wie Übersetzer für die Afghanen, mögliche Wochentage und Uhrzeiten. Zwei Tage später informierte mich die Leiterin darüber, dass es vier Familien aus Syrien gibt, die sehr schlecht deutsch sprechen, und 26 junge Männer aus Afghanistan, welche bereits deutsch verstehen. Ich sollte für die Syrer den Übersetzer aus dem anderen Helferkreis mitbringen. Am 28. November machte ich einen Terminvorschlag, der auch dem übersetzenden Flüchtling passte. Einen Tag später kam für mich völlig überraschend die Absage: Mir wurde von der Leiterin mitgeteilt, dass die Helfer der Meinung seien, der Vortrag sei für sie [also die Helfer selbst] und nicht in erster Linie für die Flüchtling, dies sei ein Missverständnis gewesen. Das konnte ich nicht verstehen, mein Angebot richtete sich ganz klar an die Flüchtlinge. Außerdem schrieb sie, dass die Flüchtling keinen Vortrag hören wollen. Was dann im Helferkreis geschah, weiß ich nicht, auf jeden Fall bekam ich am 5. Dezember die Zusage, nun sei von ihrer Seite alles geklärt und sie freuen sich auf meine Präsentation im Januar. Zur ersten Präsentation vor den Syrern kamen am 5. Januar 2017:
• Ehemann, der erst letzte Woche mit Familie umgezogen ist und kleine Kinder hat
• Ehemann, die Familie hat kleine Kinder und sie ziehen nächste Woche um
• Ehemann ,.ebenfalls mit kleinen Kindern
• Ehepaar, (er hat vorgelesen)
• Ehepaar mit zwei Kindern, das noch zwei größere Söhne hat
• Ehemann mit Bruder und Schwager, die noch in der Asylunterkunft wohnen, 4 Kinder haben, das 5. ist unterwegs (sie ziehen zum 01.02.2017 in ein Haus)
• ein Flüchtling, der als Übersetzer fungierte und der etwas später kam
insgesamt 13 Syrer, außerdem
• 2 Frauen von der Agentur der Arbeit
• Frau von der Caritas
• 5 Deutschlehrer
• Vermieter-Ehepaar
• 5 Helferinnen
• Leiterin des Helferkreises
insgesamt 16 Deutsche

An diesem Beispiel kann man einen Eindruck gewinnen wie sich die Zuhörerschaft der Vorträge bei den Helferkreisen zusammengesetzt hat.

Am 11. Januar 2017 hielt ich anschließend die gleiche Präsentation (1. Teil) für 6 Afghanen mit einem afghanischen Übersetzer. Es war immer sehr wichtig, einen guten Übersetzer zu finden, dieser verstärkte die Wirkung der Folien mit den Texten und gewährleistete bei den Afghanen, dass auch solche Flüchtlinge möglichst viel vom Inhalt verstehen, welche kaum über deutsche oder englische Sprachkenntnisse verfügten.

Den zweiten Teil hörten von den Syrern nur 6 Männer und 2 Helfer, dies zeigt, wie schwankend die Teilnehmerzahlen und -zusammensetzung oft waren. Denn es kamen umgekehrt nun 21 Afghanen zum zweiten Teil, zusammen mit 4 Helfern und dem Bürgermeister des Ortes. Letzterer hieß die Flüchtlinge herzlich willkommen und „freute sich, in ihre glücklichen Gesichter zu schauen“. Er bezog dies weniger auf ihr Kommen zur Präsentation, sondern auf ihr Ankommen in Deutschland. Obwohl er zu Beginn betonte, er habe keine Zeit und müsse bald wieder gehen, blieb er doch bis Vortragsende. Er erzählte meiner Frau und mir von einem Flüchtling, dem er einen Praktikumsplatz vermitteln konnte. Allerdings ging dieser Praktikant dann eines frühen Morgens in die Firma, räumte Spinde aus, packte das Werkzeug der Werkstatt ein und verschwand nach Paris. Der Bürgermeister meinte dazu, man solle aber keine negativen Nachrichten über die Flüchtlinge verbreiten, damit die Stimmung in Deutschland nicht kippt.

Zur dritten Präsentation vor den Syrern kamen 6 Flüchtlinge, 3 Helfer und eine Redakteurin der örtlichen Zeitung. Im Zusammenhang mit einem Leserbrief hatte ich dem Chefredakteur vorgeschlagen, einen Bericht über meine Präsentationen zu veröffentlichen. Dank des guten Übersetzers, der die Folientexte auf arabisch nicht nur vorlas, sondern auch erläuterte, wurde die Veranstaltung ein Erfolg und es erschien ein sehr positiver Bericht in der Zeitung. Dies führte dazu, dass ein anderer Helferkreis von meiner Aktivität erfuhr und mich zum Vorführen der Präsentationen einlud. Entgegen meinen Erwartungen blieb es nach dem Zeitungsbericht bei diesem einen Helferkreis, es meldeten sich keine weiteren Interessenten, obwohl der Erfolg der Vorträge bei den Flüchtlingen deutlich herausgestellt wurde, u.a. durch persönliche Kommentare von Flüchtlingen zu den Präsentationen. Ebenso wurden aber auch die Problempunkte angesprochen, etwa die Heirat einer Muslimin mit einem Deutschen. Selbst der Bürgermeister, der die vorherige Präsentation besucht hatte, betrachtete den Vortrag „als richtig guten Baustein zur Integration“.

Als ich die dritte Präsentation vor etwa 40 afghanischen Männern, Frauen und Kindern halten wollte, registrierten wir erstaunt, dass die Männer auf der einen Seite und die Frauen mit Kindern auf der anderen Seite des Mittelgangs Platz nahmen. In meinem Vortrag war dies zufällig ein Thema: Ich zeigte, dass in Deutschland noch vor 50 Jahren in vielen Dörfern in der Kirche ebenfalls Frauen und Männer getrennt saßen. Im Zusammenhang mit der Emanzipation und der Gleichstellung der Geschlechter wird heutzutage keine Unterteilung mehr vorgenommen, Männer und Frauen sitzen gemischt zusammen.

Der Syrer, der die beiden letzten Präsentationen auf arabisch vorlas und erläuterte, weilte schon länger in Deutschland, wo er zunächst in einer anderen Stadt sich für andere Flüchtlinge engagierte. Er sprach gut deutsch, trotzdem war ihm bewusst, dass seine Sprachkenntnisse für ein anspruchsvolleres Arbeiten oder ein Studium in Deutschland noch nicht ausreichen.

Der afghanische Übersetzer war in Afghanistan Deutschlehrer gewesen und konnte sehr gut deutsch. Wir holten ihn von seiner Wohnung in einem anderen Ort ab, da er sonst einen langen Weg gehabt hätte. Leider war er zum letzten Vortrag plötzlich ohne Rückmeldung auf meine Nachricht, dass wir ihn abholen würden, verschwunden. Wir fuhren trotzdem zu seiner Wohnung und warteten eine Weile vor der Tür. Ohne Übersetzer fuhren wir dann zum Vortragsort. Glücklicherweise erklärte sich einer der anwesenden Afghanen zum Übersetzen bereit, allerdings nicht mit den Deutschkenntnissen des abwesenden Übersetzers. Dieser war auch später nicht mehr zu erreichen.