Helferkreis 2

Der erste Kontakt zu einem Helferkreis kam über die Telefonnummer eines anderen Helferkreises zustande, die ich von einer Bekannten erhielt. Nach meinem Anruf konnte ich die Vorsitzende des Helferkreises über mein Angebot einer PowerPoint-Präsentation informierten. Per E-Mail wurde vereinbart, dass ich zuerst eine Art Probevortrag vor den Helfern halten sollte, ehe entschieden wird, ob dem Helferkreis meine Präsentationen geeignet erscheinen, um sie den Flüchtlingen zu zeigen.

Am 22.02.2016 gab es ein Treffen mit dem Helferkreis, zu dem etwa 10 Personen kamen. Der Helferkreis betreute zu dieser Zeit ca. 120 Flüchtlinge, meist Syrer und Afghanen, die kaum alphabetisiert waren, und von denen die meisten weder deutsch noch englisch verstehen konnten. Wie bei allen folgenden Präsentationen begleitete mich meine Frau und nahm an den Diskussionen teil. Ich zeigte die erste Präsentation, in der die deutschen Landschaften und Deutschlands Vielfalt vorgestellt werden. Die Präsentation wurde von der Vorsitzenden als „hochprofessionell“ bezeichnet, während ein anderer Helfer den Vortrag als "eine Stufe zu hoch" einschätzte und fürchtete, die Flüchtlinge könnten überfordert werden. Eine Helferin monierte, dass bei den Prozentanteilen von Protestanten, Katholiken, Muslimen und Nichtkonfessionellen einschließlich Atheisten nicht berücksichtigt wurde, dass auch diejenigen, die nicht einer Konfession angehören, gläubig sein können. Meine Entgegnung war, dass umgekehrt sicher auch Kirchenangehörige nicht gläubig sind sondern nur wegen des sozialen Umfelds nicht aus der Kirche ausgetreten sind. Etwas merkwürdig mutete uns auch die Idee einer Helferin an, für die Flüchtlinge einen Tisch mit Brötchen und Brot anzubieten, damit sie diese "haptisch" erfahren können (ich hatte in der Präsentation auf das weltweit größte Angebot an verschiedenen Brot- und Brötchensorten in Deutschland hingewiesen). Trotz dieser Bedenken entschied die Vorsitzende, dass man versuchen sollte, die Präsentationen durchzuführen.

Damit die Syrer alles verstehen können, da ja viele anscheinend kein deutsch konnten, obwohl dies zunächst anders angegeben wurde, kam dann die Idee auf, die Texte der PowerPoint-Präsentation auf arabisch übersetzen zu lassen. Es wurde vereinbart, dass die Vorsitzende ein Treffen mit einem Flüchtling arrangiert, der zusammen mit einem weiteren Flüchtling die Texte übersetzen soll.

Tatsächlich arrangierte die Vorsitzende ein Treffen in der Flüchtlingswohnung der beiden Flüchtlinge und ihrer Familien am 29.02.2016. Der Übersetzer ist Ende 30, hat eine Frau Mitte 20 und eine Tochter von 4 Jahren. Er hat nach eigenen Angaben Computertechnik ohne Abschluss in Syrien studiert, sein Vater ist Richter und Geschäftsmann in Syrien. Später wird er dem Vater schildern, wie schön es in Deutschland ist, woraufhin der Vater nach Deutschland einreist. Die Ehefrau bietet Tee an und verschwindet dann mit der Tochter, für die im Hintergrund ein Fernseher mit arabischem Programm lief, in einen anderen Raum. Der andere Flüchtling ist ebenso verheiratet und hat zwei Kinder. Außerdem stellte er den PC für die Textdateien zum Übersetzen bereit, sein Englisch war allerdings rudimentär. Auffallend war, dass trotz kühlem Wetter Fenster und Türen (auch die Haustür) offenstanden, die Heizung voll aufgedreht war und die männlichen Bewohner im T-Shirt herumliefen. Wir bemerkten später durch Beobachtung und Berichte, dass dies kein Einzelfall war.

Für die Übersetzungsarbeit hatte ich die Präsentationstexte jeder Folie aus der PowerPoint-Präsentation herauskopiert in eine WORD-Datei übertragen. Anschließend wurden die Texte von deutsch auf englisch übersetzt. Der übersetzende Flüchtling trug dann unter die Zeile mit dem englischen Text die arabische Übersetzung ein, welche ich dann in eine Kopie der PowerPoint-Präsentation anstatt der deutschen Texte einfügte. Ebenso verfuhr ich mit den englischen Texten. Die Präsentationen lagen anschließend auf deutsch, englisch und arabisch vor. Die Übersetzung vom Englischen ins Arabische durch den Flüchtling dauerte eine Weile und erforderte über Wochen ein mehrmaliges Nachfragen meinerseits.

Der Vortrag vor den Flüchtlingen erfolgte derart, dass ich zunächst eine PowerPoint-Folie auf deutsch zeigte und dann die gleiche Folie wahlweise auf arabisch oder englisch und arabisch (wenn Afghanen dabei waren und sich kein Übersetzer fand) gezeigt wurde, wobei der arabische Text von dem Übersetzer oder einem anderen Syrer vorgelesen wurde.

Zum Vortrag der ersten Präsentation am 23.05.2016 kamen etwa 10 Flüchtlinge aus Syrien, darunter Frauen und Kinder, sowie 5 Helfer. Ich stellte die deutschen Landschaften und einige schöne Plätze von Deutschland vor. Außerdem wird der Wald und die besondere Beziehung der Deutschen zum Wald im ersten Teil behandelt. Es gab nur eine Nachfrage, alle nickten am Ende und fanden es gut, sogar der örtliche Bürgermeister, der sich einen Teil der Präsentation anhörte. Als ich Tiere des Waldes vorstellte, kam die Frage auf, ob es gefährlich sei, im Wald spazieren zu gehen. Es wurde sogar gefragt, ob es im Wald Tiger gäbe. Ich sagte, dass es im Wald keine für den Menschen gefährlichen Tiere gebe, wohl aber ein kleines Tier, das überall vorkommen kann, wo Gras oder Büsche sind. Die auch den Syrern bekannte Zecke kann FSME, Borreliose oder über 50 weitere Krankheiten übertragen. Allerdings spürt man nach einem Zeckenbiss meist ein deutliches Jucken und kann die Zecke entfernen. Ein Helfer dramatisierte leider die Zeckengefahr, indem er schilderte, dass er sich immer quasi vermummt, wenn er in den Wald geht. Dies mindert wahrscheinlich die Bereitschaft der Flüchtlinge, in den deutschen Wald zu gehen und ihn kennenzulernen. Für die folgenden Präsentationen des ersten Teils habe ich dann das Thema Zecke aufgenommen und entsprechend dargestellt. Es machte uns schon nachdenklich, dass fast alle Flüchtlinge Dank ihrer Handys sehr gut vernetzt sind und sich im Internet auskennen, aber sich anscheinend vor allem über Probleme ihrer eigenen Versorgung informieren und sich kaum über das Land Deutschland und seiner Bewohner kundig machen.

Anstatt Fragen zur Präsentation ging es den Flüchtlingen am Ende des Vortrags vor allem darum, ob sie eine Wohnung in welchem Ort bekommen würden und wann sie Hilfe für Anträge auf Ämtern erhalten. So fragte ein Flüchtling die Vorsitzende ziemlich aggressiv, wo denn seine Wohnung für ihn und seine Familie mit zwei oder drei Kindern bleibe. Sehr gut hat die Zusammenarbeit mit dem Flüchtling funktioniert, der die arabischen Texte nicht nur vorlas sondern auch erläuterte und ergänzte.

Zum ersten Termin des zweiten Teils der Präsentationen am 2.11.2016 kam nach einer Viertelstunde Verspätung außer dem Übersetzer nur ein Flüchtling, der Mitbewohner bei dem Übersetzer. Wir brachen die Veranstaltung ab und vereinbarten einen zweiten Termin am 16.11.2016. Beim zweiten Mal erschien wieder nur der Übersetzer und gleiche Syrer wie zum ersten Termin. Zu beiden Terminen kam nicht nur ich umsonst, sondern auch der Übersetzer, der für die arabischen Texte bereitstand, sowie die Vorsitzende und 2 Helfer. Damit das Treffen nicht wieder umsonst war, präsentierte ich das für die beiden anwesenden Flüchtlinge besonders interessante Kapitel Bildung und Ausbildung in Deutschland. Am Ende erklärte ich mich zu einem dritten Termin bereit unter der Voraussetzung, dass alle "Paten" der Flüchtlinge angeschrieben und um eine verbindliche Zusage bzw. Absage gebeten werden. Es erfolgte außer einer Absage keinerlei Reaktion!